Welche Assets und Anlageklassen helfen meinem Vermögen dabei, diese Zeiten stark steigender Inflation sicher zu überstehen oder sogar davon zu profitieren? Diese Frage sollte sich jeder Investor – hoffentlich auch du – irgendwann stellen.

In diesem Teil der Serie zur Inflation, setzen wir uns damit auseinander, welche Möglichkeiten wir durch Sachwerte wie Edelmetalle und Rohstoffe haben, um dieser Situation zu begegnen.

Rohstoffe

Hand voll Korn
Hand mir Körnern

Bei den Rohstoffen müssen wir einige Unterscheidungen machen denn leider sind die Möglichkeiten für den privaten Investor, in einen physischen Rohstoff zu investieren sehr begrenzt. Das ist alleine schon der Tatsache geschuldet, dass die Lagerkosten und der logistische Aufwand nicht zu tragen sind. Ein Barrel Öl oder eine Tonne Weizen im Keller zu lagern klingt eher unpraktisch oder? Wie lange dauert es wohl bis der Weizen schlecht wird? Wem verkaufe ich das wieder und wie kommt es dann zum Käufer?

Möchte ich beispielsweise 5.000€ in physische Rohstoffen anlegen, ist es natürlich weitaus praktischer sich für einige Gold und Silbermünzen oder auch Diamanten zu entscheiden, als sich den Keller mit Weizenkörnern, Eisenerz oder Ölfässern zu füllen.

Diamanten

Nachaufnahme eines Diamantringe
Nahaufnahme eines Diamantrings

Hab ich da grade Diamanten geschrieben? – Ja! Auch Diamanten können unser Vermögen vor Inflation schützen. Doch hier ist eine Menge Fachwissen und Recherche gefragt.

Diamanten sind deshalb interessant, da sie eine Menge Wert auf kleinem Raum und wenig Gewicht vereinen, also sehr gut lager- und transportierbar sind. Um bei dem Beispiel der 5.000€-Anlage zu bleiben: Wir könnten einen Diamanten mit diesem Wert, problemlos in einer kleinen Streichholzschachtel aufbewahren und hätten darin sogar noch Platz für weitere Steine. Bis zu einem Kaufpreis von 10.000€ können Diamanten zudem anonym erworben werden.

Wie ihr euch vorstellen könnt, erfordern Diamanten eine Menge Fachwissen, denn kein Stein ist wie der andere und muss immer individuell bewertet werden. Welchen Schliff hat der Stein? Welche Reinheit? Welchen Farbton? Welche Zusammensetzung? Das Zertifikat? Dieser letzte Punkt ist besonders wichtig denn zum einen musst du die Eigenschaften des Steins nachweisen können. Der andere, in meinen Augen noch viel wichtigeren Punkt ist, dass niemand sein Geld in einen Blutdiamanten stecken sollte. Daher sollte man auf jeden Fall immer auf das Zertifikat achten und keinesfalls in Diamanten ohne eindeutig echtes und dem Stein zugehörigen Zertifikat investieren. Damit würden wir Investoren die Taten unterstützen, die den Blutdiamanten ihren Namen geben.

Informiere dich bitte vorher unbedingt ganz genau, was du vor dir hast wenn du dich für den Kauf eines Diamanten entscheiden solltest.

Gold & Silber

Gold und Silber
Gold und Silber

Für eine Goldmünze hätten wir vor 2.500 Jahren im alten Rom garantiert eine Toga des besten Schneiders und die bequemsten Sandalen bekommen. Mit dem Gegenwert einer Goldmünze könnten wir heutzutage ebenfalls einen qualitativ sehr hochwertigen Anzug kaufen und würden sogar noch die passenden Schuhe dazu bekommen.

Gold ist also ein Wertspeicher. Denn es verändert seinen Wert nicht, wenn es teurer wird. Es muss einfach nur mehr Geld aufgebracht werden um sich die gleiche Menge Gold zu kaufen. Das Geld ist also weniger wert geworden. Genau das passiert bei einer Inflation. Wenn wir also Gold oder Silber im Portfolio haben, dann können wir mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass ihr Preis im gleichen Verhältnis, wie die Inflation steigt.

Es gibt nur einen Haken: Leider können Edelmetalle im anonymen Tafelgeschäft nur noch bis zu einem Preis von maximal 1.999,99 € gekauft werden. Ab 2.000 € entfällt die Anonymität und der Händler muss staatlich kontrollierten Institutionen Auskunft darüber geben, wann du was, und wie viel gekauft hast.

Zu diesem Thema möchte ich noch auf unseren Beitrag Vermögenswerte: Edelmetalle verweisen, in dem du weitere Informationen findest.

Immobilien

Wohnung innen
Wohnung innen

Wie wir bereits in unserem Beitrag Vermögenswerte: Immobilien vorgestellt haben, sind Immobilien eine gute Investition, sofern sie gewinnbringend vermietet werden. Ist die Immobilie dann noch mit dem Geld der Bank finanziert, profitiert man als Investor gleich doppelt von der Inflation. Denn, wie du im Beitrag Inflation! Was bedeutet das eigentlich? lesen kannst, hilft uns die stetige Entwertung des Geldes dabei, das Darlehen abzuzahlen. Der Wert des ursprünglichen Kreditbetrags, nimmt durch die Inflation Jahr für Jahr ab. Somit muss im Verhältnis weniger Geldwert an die Bank zurückbezahlt werden, als ausgeliehen wurde. Denn ein Darlehen in Höhe von 100.000 € ist durch die Inflation gemessen an der Kaufkraft nach 10 Jahren nur noch 80.000 € wert.

Neben diesem Effekt, bekommt man als Vermieter regelmäßige Mieteinnahmen. Und wenn durch die Inflation alles teurer wird, dann steigt eben auch die Miete. Als Vermieter kannst du also deine Einnahmen durch Mieterhöhungen regelmäßig an die steigende Inflation anpassen. Sogar eine im Vorfeld festgelegte Staffel- oder Indexmiete ist möglich. Dabei steigt die Miete entweder in festgelegten Schritten, oder folgt dem Verbraucherpreisindex (VPI), der ja die Basis für die Berechnung der Inflationsrate ist. Das heißt, dass die Miete immer dann steigt, wenn die Inflation steigt.

Um die Indexmiete zu berechnen, gibt es die folgende Formel:

Gold

Gehen wir davon aus, dass der Verbraucherpreisindex letztes Jahr bei 106,4 stand und das neue Jahr mit einem VPI von 108,2 begonnen hat, dann ergibt das folgende Berechnung:

Gold

Die Mieterhöhung darf also 1,69% betragen. Zwar muss sie dem Mieter schriftlich mitgeteilt werden (inklusive Berechnungsgrundlage), dafür bedarf es aber keiner weiteren Zustimmung des Mieters. Und als Bonus, ist man durch so eine Vereinbarung nur im ersten Jahr an einen möglichen Mietpreisdeckel gebunden. Danach zählt der VPI als Grundlage für die Miete.

Grundstücke

Acker
Acker

Genau wie Immobilien, die ja bekanntlich auf einem Grundstück stehen, sind auch die Grundstücke selbst eine gute Möglichkeit um der Inflation die Stirn zu bieten. Denn auch hier gilt: wenn alles teurer wird, dann steigen auch die Preise für die Grundstücke.

Jedoch erwirtschaftet man mit einem unbebauten und ungenutzten Grundstück keine regelmäßigen Einnahmen. Ganz im Gegenteil, man muss regelmäßig dafür zahlen. Das Finanzamt hält auch hier die Hand auf. Deshalb sollte das Grundstück nach Möglichkeit verpachtet werden um nicht nur auf einen höheren Verkaufspreis zu spekulieren, sondern regelmäßige Mieteinnahmen zu generieren. Das könnte zum Beispiel ein Acker sein, den man an einen Bauern verpachtet. Denn Nahrungsmittel werden mit steigender Bevölkerungszahl immer wichtiger, so dass man von einem langfristigen Mietverhältnis ausgehen kann.

Sammlerstücke

Oldtimer
Fünf Oldtimer

Oldtimer sind ein ganz bekanntes Beispiel dafür, dass alte Dinge über die Jahre im Wert steigen können. Das gilt zum Beispiel auch für Wein, Whiskey, Uhren oder Kunstobjekte. Alle Dinge, die unter Sammlern einen Abnehmer finden, können im Wert steigen, wenn sie einen guten Zustand haben und richtig gelagert oder gepflegt werden. Das können z.B. Briefmarken, Figuren aus den Überraschungseiern oder Sonderprägungen diverser Münzen sein.

Natürlich lässt sich die Zukunft nicht genau vorhersehen und auch die Entwicklung aus der Vergangenheit ist nie ein verlässlicher und unfehlbarer Indikator für die Zukunft. Deshalb handelt es sich bei solchen Dingen meinst um reine Spekulation. Den Inflationsschutz den uns diese Sachwerte geben, ist somit ebenfalls nur eine Spekulation und keinesfalls gewährleistet.

Wie auch bei anderen Assets ist es wichtig, dass man sich gut in die Materie einarbeitet und versteht, was man tut. Denn nur dann kann man mit Sammlerstücken so viel Rendite machen, dass die Inflation ausgeglichen wird.

Es gilt hier aber immer zu bedenken: Jeder Wertgegenstand ist nur so viel wert, wie jemand anderes bereit ist dafür zu bezahlen. Man muss den Markt für spezifische Sammlerstücke oder Kunstgegenstände also genau kennen, denn der Verkauf gestalltet sich um einiges schwieriger als er bei einem großen Markt mit vielen Marktteilnehmer wäre, wie beispielsweiße bei Gold.

Die Krux mit den Lebensversicherungen

Vertragsunterzeichnung
Vertragsunterzeichnung

Wenn du eine Lebensversicherung abschließt, dann ist diese auf einen bestimmten Wert festgelegt. Sollte man während der Laufzeit der Versicherung versterben, wird die vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen ausgezahlt. Stirbt man nicht vor der Rente, so kann man sich, je nach Vertrag, auf einen Einmalbetrag oder eine monatliche Rente freuen. Dann nämlich wird das angesparte Geld wieder ausgezahlt. Das gilt jedoch nur für Kapitalbildende Lebensversicherungen, nicht für die Risikolebensversicherungen ohne Rente.

Je nachdem, wie jung man beim Vertragsabschluss ist, hat man noch einige Jahre vor sich in denen die VErsicherung weiterläuft. Das bedeutet, die anfangs ausgehandelte Geldbetrag kann in den Jahren bis zur Verrentung deutlich an Kaufkraft verlieren, wenn die Inflation zuschlägt. Deshalb gibt es bei vielen Verträgen die Möglichkeit, den Wert jedes Jahr um z.B. 3% zu steigern aber natürlich steigen dabei gleichzeitig auch unsere Kosten. Damit soll dann aber die Inflation abgefangen werden. Was die meisten jedoch nicht wissen, ist dass an erster Stelle der Versicherungsberater an der Preissteigerung verdient. Denn für jede Anpassung der Versicherungssumme bekommt der Berater der dir deine Versicherung verkauft hat, oder das Team in dem er arbeitet, eine zusätzliche Provision.

Nimmt man diese Option nicht in Anspruch, so muss man der Versicherung vertrauen, dass sie das angesparte Geld gut investiert, damit es mindestens so viele Zinsen einbringt um die Inflation abfangen zu können. Doch hier kommt der Haken: nicht immer stellt eine Versicherung das Wohl seiner Kunden vor die eigenen Interessen. Denn eine Versicherung will Geld verdienen. Und deshalb gibt es in den Verträgen oft viele Klauseln, wodurch z.B. ein höherer Gewinn nicht vollständig an die Kunden ausgeschüttet wird, sondern nur bis zu einem kleinen prozentualen Anteil.

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass es sich durchaus lohnen kann sich diese Verträge, auch im nachhinein, sehr genau anzuschauen und die Rendite zu verfolgen. Zu Vergleichen was eingezahlt wurde, wie sich die „Fonds“ entwickelt haben und was aber am Ende nur bei dir im Gesamtwert abgekommen ist, kann augenöffnend sein. Zu diesem Thema ist ein eigener Beitrag geplant, da es eine solche Brisanz hat und nach besonderer Aufmerksamkeit verlangt. Für alle ungeduldigen empfehle an dieser Stelle eine einfache Google-Suche als ersten Einstieg in diese Materie.

Google Suche: legaler Betrug

Anleihen als Inflationsschutz?

Diagramm und Hand mit Stift
Analyse eines Diagramms

Wie wir in unserem Beitrag zum Thema Anleihen erklären, kann man sich eine Anleihe wie einen Vertrag oder eine Urkunde vorstellen, die besagt, dass man sein verliehenes Geld inklusive Zinsen nach einer bestimmten Zeit zurückbekommt. Wenn du also zum Beispiel eine Unternehmensanleihe kaufst, dann leihst du dadurch dem Unternehmen dein Geld. Das Unternehmen verpflichtet sich im Gegenzug dazu, dir Zinsen zu bezahlen. Und auch Staaten geben zahlreiche Anleihen aus, die du kaufen kannst.

Anleihen gelten als relativ sicher, haben aber ein Problem: Ihr Wert fällt im gleichen Verhältnis, wie der Wert des Geldes, mit dem sie gehandelt wurde. Wenn du also eine Anleihe über 200 € hast, dann schuldet dir jemand 200 € und ein paar Zinsen. Wenn die Zinsen den Wertverfall der jeweiligen Währung nicht übersteigen, dann ist es damit nicht möglich, die Inflation auszugleichen. Zwar steigt ihr Wert, wenn das allgemeine Zinsniveau steigt, jedoch kann man darauf bestenfalls nur spekulieren.

Aktuell bekommt man auf deutsche Bundesanleihen mit mittlerer Laufzeit weniger als 0,2% Zinsen. Da die Zinsen bei Anleihen nicht mal dem Zinseszinseffekt unterliegen, weil sie immer nur auf den Anfangsbetrag gezahlt werden, ist hier also auch keine Steigerung zu erwarten. Nur wenn man sich heute schon für 30 Jahre festlegt, kann man einzelne Bundesanleihen mit einer Rendite von 7% kaufen. Jedoch in einer Währung, die durch Krisen, wie Corona massiv an Wert verliert. Ein Inflationsschutz sieht anders aus.

Es gibt jedoch eine Besonderheit: Inflationsgeschützte Staatsanleihen. Diese sind an den Verbraucherpreisindex (VPI) gebunden, weshalb die jährlichen Zinszahlungen (Kupons) in ihrer Höhe variieren. Immer wenn der VPI, also die Inflationsrate steigt, dann steigt auch die Zinszahlung. Fällt die Inflationsrate, sinken folglich auch die Zinsen. Hierbei gilt es zu beachten, dass man sich keine Anleihen kauft, deren nominale Zinsen bei einer Deflation fallen. Das ist besonders bei amerikanischen Staatsanleihen der Fall. Dann doch eher auf die deutschen Bundesanleihen zurückgreifen.

ETCs – eine sinnvolle Möglichkeit?

Fässer mit Absperrband
Fässer mit Absperrband

Einen ETC (Exchange Traded Commodities) kann man sich in etwa wie eine Anleihe vorstellen, also eine Schuldverschreibung, nur diesmal auf Rohstoffe. Langfristig betrachtet können wir aber erkennen, das die Rohstoffpreise zwar sehr volatil, also stark schwankend sind, aber ihren Wert kaum verändern. Diese Aussage wird jetzt viele Verwundern, doch ein Blick auf den langfristigen Kursverlauf von Rohstoffen wie Eisenerz, Kupfer, Schwefel, Weizen oder Orangensaftkonzentrat zeigt über viele Jahre kaum eine Preisentwicklung, die auch nur im Ansatz eine Inflationsrate von 2% ausgleichen könnte.

Bei ETCs werden die Kurse der jeweiligen Rohstoffe über verschiedene Terminkontrakte abgebildet, also in erster Linie auf den Preis gewettet, den der Rohstoff in Zukunft erziehlen soll. Meist laufen solche Kontrakte (Futures) etwa einen Monat bis sie verfallen und ein neuer Kontrakt gekauft werden muss. Die häufigen Transaktionskosten und Gebühren, die dadurch entstehen, machen ETCs sehr unattraktiv für den Vermögensschutz.

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