Welche Assets und Anlageklassen helfen meinem Vermögen dabei, diese Zeiten stark steigender Inflation sicher zu überstehen oder sogar davon zu profitieren? Diese Frage sollte sich jeder Investor – hoffentlich auch du – irgendwann stellen.

In diesem Teil der Serie zur Inflation, setzen wir uns damit auseinander, welche Möglichkeiten wir durch Aktien haben, um dieser Situation zu begegnen.

Warum aber müssen wir uns hier überhaupt Gedanken darüber machen? Schließlich sind Aktien doch Unternehmensanteile, also Sachwerte. Die sollten bei einem fallenden Geldwert doch im Preis steigen oder etwa nicht?

Aktienunternehmen haben immer das Risiko insolvent zu gehen, wohingegen ein Sachwert wie z.B. eine Goldmünze, einen inneren Wert besitzt.

Aktien in Inflationszeiten

Kalender, Brille, Smartphone und Laptop auf weisem Tisch
Kalender, Brille, Smartphone und Laptop auf weisem Tisch

Wie wir in unseren Beiträgen Die Wahrheit über Aktien und Vermögenswerte: Aktien und ETFs bereits geschrieben haben, ist der Aktienkurs an die wirtschaftliche Leistung und den Wert des Unternehmens am Markt gekoppelt. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass es davon abhängt, wie das Unternehmen am Markt bewertet wird, also wie viele Investoren am Kauf und Verkauf eines Anteils interessiert sind. Eine sehr hohe Inflation, die unser Geld schnell an Wert verlieren lässt, hat natürlich auch Auswirkungen auf die Einnahmen und das Eigenkapital eines jeden Unternehmens am Markt.

Wenn die Produkte oder die Dienstleistungen des Unternehmens in Krisenzeiten besonders gefragt sind, wird auch die Aktie gefragt sein und im Kurs steigen. Hat ein Unternehmen hingegen aber beispielsweise ein besonders großer Anteil des Eigenkapitals als Geldwert im Portfolio, wird dieser Anteil mit der Inflation an Wert verlieren und somit auch der Gesamtwert und jede einzelne Aktie des Unternehmens. Das wiederum wird auch die Nachfrage an der Börse und damit den Aktienkurs weiter negativ beeinflussen.

Genau wie die Unternehmen am Markt, kommt es auch bei unserem persönlichen Portfolio auf die Strategie an. Aber auf welche Merkmale müssen wir als private Investoren achten, wenn wir unser Portfolio über Aktien, gegen die Inflation absichern wollen?

Minenaktien

Schaufelradbagger
Schaufelradbagger

Die Sicherheitswirkung von Edelmetallen im Portfolio, welche wir in unserem Beitrag Vermögenswerte: Edelmetalle beschreiben, beschränkt sich natürlich nicht nur auf den Rohstoff allein. Auch ein Minen-Unternehmen, welches die in Krisenzeiten so begehrten Edelmetalle schürft, wird von dieser erhöhten Marktnachfrage sehr profitieren können. Doch auch hier gibt es einige Unterschiede zu beachten.

Die Bergbaukonzerne Polymetal und Barrick Gold zählen zu den größten der Branche und wir können davon ausgehen, dass diese in Zeiten von erhöhter Gold- und Silbernachfrage, ihr Möglichstes tun werden, um mehr von dem immer wertvoller werdenden Rohstoff zu fördern und zu verkaufen. Die Lohnkosten werden natürlich aufgrund von einem höheren Arbeitsaufkommen in den Minen ebenfalls steigen.

Das ist ein Problem, welches Royal Gold nicht hat, da dieses Unternehmen selbst kein „schürfendes Personal“ angestellt hat, sondern ihr Gold über langfristige Verträge von anderen Unternehmen bezieht. Das sorgt für eine gute Kostensituation und ebenso langfristige Einkaufsplanung durch die stabilen Fixkosten des Unternehmens.

Ein Edelmetall-Handelsunternehmen wie beispielsweise Wheaton Precious Metals, profitiert hingegen durch das erhöhte Handelsaufkommen, welches durch mehr Nachfrage und die dadurch entstehende, größere Fördermenge der Bergbaukonzerne zustande kommt.

Alle genannten Aktien zahlen den Investoren eine Dividende aus, können also zusätzlich zur Schutzwirkung für unser Gesamtportfolio, ebenfalls als Investment klassifiziert werden. Dennoch sind dies nur Beispiele und in keinem Fall eine Kaufempfehlung. Es ist enorm wichtig die Unternehmen selbst du analysieren und auch deren Konkurrenz am Markt zu durchleuchten. Welche Aktien in welcher Anzahl, zu dir und deinem Portfolio passen, solltest nur du selbst entscheiden.

Pharmakonzerne

Medikamenten Sortiment Box
Medikamenten Sortiment Box

Ein Pharmaunternehmen, welches ein im Markt sehr gefragtes Medikament produziert, wird bei einer hohen Inflation auch weiterhin seine Produkte verkaufen können. Leider wird es immer Krankheiten geben und demzufolge auch Medikamente, die gegen ebendiese Krankheiten helfen. Insulin ist hier nur eines der Beispiele. Ein Diabetiker wird seine Medikamente leider auch benötigen, wenn die Inflation einen höheren Preis verlangt.

Zahlungsanbieter

Eine Inflation bedeutet höhere Preise. Höhere Preise bedeuten wiederum höhere Beträge bei den Transaktionen und Überweisungen. Ein Zahlungsanbieter der immer einen Anteil der Überweisung als Gebühren einbehält, bekommt somit auch einen immer größeren Betrag. Paypal, Visa oder Mastercard, sind hier nur drei der bekanntesten Möglichkeiten.

Kryptowährungen

Mann hält silberne Bitcoin Münze in die Kamera
Mann hält silberne Bitcoin Münze in die Kamera

Wenn wir von dem immer stärker werden Markt der Kryptowährungen profitieren wollen, können wir auch auf dem Aktienmarkt fündig werden. Sind wir beispielsweiße an der deflationären Eigenschaft des Bitcoins für unser Aktien-Portfolio interessiert, sind Unternehmen wie MicroStrategy oder Beteiligungsgesellschaften wie Bitcoin Group interessant, die einen Anteil ihres Eigenkapitals lieber in Bitcoin als in einer Fiat Währung, wie dem Dollar, halten.

Dass die Nachfrage nach deflationären Kryptowährungen als Möglichkeit der Vermögenssicherung, eine immer größer werdende Akzeptanz im Markt findet, sorgt natürlich auch bei den Händlern für eine größere Nachfrage und mehr Gewinn. Diese Händler sind auch an der Börse zu finden. Coinbase ist nur ein Beispiel dafür.

Wie in dem Beitrag Das Regelwerk der Blockchain angesprochen, werden Transaktionen in einer „Proof-of-Work-Blockchain“ durch das Mining von neuen Blöcken bestätigt. Hierzu muss der „Miner“, Rechenleistung zu Verfügung stellen. Ein Unternehmen, das die benötigte Hardware dafür produziert und dadurch indirekt mitprofitiert ist Nvidia.

Bauunternehmen

Auch in einer Inflation – gebaut wird immer! Ein weltweit tätiges Bauunternehmen ist daher auch eine eher passive und stabile Anlage. Das Unternehmen Hochtief ist hier als ein Beispiel zu nennen.

Immobilien / REIT

Mehrfamilienhaus von schräg unten
Mehrfamilienhaus von schräg unten

Auch Immobilien werden in Zeiten der Inflation weiterhin benötigt. Der Aktienkonzern Vonovia ist beispielsweiße auf Wohnimmobilien spezialisiert, während der Medical Properties Trust sich auf medizinische Einrichtungen konzentriert.

Wer nicht direkt in Immobilien-Aktien investieren möchte, kann sich auch mal REITs ansehen. REIT, das heißt „Real Estate Investment Trust“ heißt übersetzt so viel wie “Immobilien-Investmentfonds”. Hinter einem REIT steht immer eine steuerbegünstigte Immobilien-AG. Steuerbegünstigt deswegen, weil sie per Gesetz keinerlei Unternehmenssteuer zahlen muss. Dafür muss sie 90 % der Gewinne an ihre Aktionäre ausschütten. Diese Verpflichtung machen REITs besonders für Dividendenjäger sehr attraktiv.

Ein REIT-Unternehmen kann man sich selbst als Immobilieninvestor vorstellen, denn es erwirtschaftet seine Gewinne aus der Vermietung und dem Verkauf von Immobilien. Außerdem hat es oft Beteiligungen an anderen Immobiliengesellschaften und beteiligt sich an Hypothekenkrediten.

ETFs als Inflationsschutz

Ein Mann zeigt auf Diagramme
Ein Mann zeigt auf Diagramme

Natürlich sind auch ETFs an der Börse zu finden, die den Schwerpunkt auf Aktien legen, die bei einem inflationären Marktumfeld profitieren. Dem privaten Investor erspart das die Suche nach Einzelaktien, doch auch hier ist ein genauer Blick zwingend nötig.

Interessant sind beispielsweiße neben den ETFs auf die oben angesprochenen Aktienkategorien, auch ETFs auf ganze Länder. Kanada und Australien sind beispielsweise sehr Minen-lastig und auch der englische Index „FTSE 100“ ist durch sehr viel „old economy“ einen Blick wert.

Auch für REITs gibt es ETFs. Diese REIT-ETFs beinhalten hauptsächlich Aktien von REIT-Unternehmen. Somit investiert man mit dieser Form von ETFs in den Erwerb und die Verwaltung von Immobilien.

Hedgefonds

Neben den handelsüblichen ETFs, gibt es auch die sogenannten Hedgefonds die hier Erwähnung finden sollten. Ein Hedgefonds wird von vielen Marktanalytikern und Fondsmanagern verwaltet und versucht im Gegensatz zu einem ETF oder einem „normalen“ Fonds, auch von fallenden Kursen einzelner Unternehmen und Rohstoffe zu profitieren, indem sie auf einen Wertverlust setzen. Das aktive Management ist aber mit hohen Kosten und Gebühren verbunden und auch die moralischen Grundsätze sind bei so manch großem Hedgefonds sehr zweifelhaft. Wieder gilt es sich gut zu informieren und zu analysieren, bevor man investiert.