Hast du gewusst, dass dein Geld von Jahr zu Jahr weniger wert ist? Wenn du heute einen 100 € Schein in eine Schublade legst und ihn in 10 Jahren wieder raus holst, dann ist dieses Geld nur noch 80 € wert. Ganz stimmt das natürlich nicht, denn die Zahl auf dem Geldschein wird sich nicht verändern, aber du kannst dir für das gleiche Geld weniger kaufen. Durch die Inflation verringert sich die Kaufkraft deines Geldes und somit steigen auch die Preise Jahr für Jahr.

Kaufkraft

Im Allgemeinen geht man von etwa 2% Inflation aus. Das bedeutet, dass die Preise für die Dinge, die du regelmäßig konsumierst, um jährlich 2% ansteigen. Das betrifft aber nicht nur Lebensmittel, sondern zum Beispiel auch Bekleidung, Miete, Benzin und Strom. Normalerweise steigen auch die Gehälter in einem ähnlichen Verhältnis, damit die Inflation ausgeglichen wird und man nicht automatisch ärmer wird. In der folgenden Grafik siehst du das Verhältnis zwischen dem Nominallohnindex (deinem Gehalt) und dem Verbraucherpreisindex (der Inflation). Daraus errechnet sich der Reallohn, also der echte Wert deines Gehalts in Relation zur Inflation.

Die Inflation im Laufe der Jahre
Die Inflation im Laufe der Jahre

Das Geld, das du sparst, steigt aber nicht automatisch in Relation zur Inflation. Auf einem Sparbuch oder Tagesgeldkonto bekommst du nämlich aktuell weniger als 1% Zinsen. Die Rechnung geht also nicht auf, denn dein Geld wird mit weniger als 1% Prozent verzinst und es verliert im gleichen Moment 2% an Wert. Du verlierst also dein eisern erspartes Geld bzw. deine erwartete Kaufkraft, wenn du es einfach nur liegen lässt. Dabei ist es egal, ob du es unter dein Kopfkissen legst oder zur Bank bringst. Was du dort an Zinsen bekommst, ist nämlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein und wird oft durch Kontoführungsgebühren oder ähnliche Kosten aufgefressen.

Berechnung der Inflation

Wie wird die Inflation eigentlich berechnet? Dieses Video vom Statistischen Bundesamt, gibt Aufschluss darüber:

Verbraucherpreisindex und Inflationsrate

Die Inflation kommt jedoch nicht nur durch Preissteigerungen zustande. Es gibt noch weitere Faktoren, wie zum Beispiel verschiedene Tricks der Industrie, wie eine Packung Chips, die zum gleichen Preis einfach weniger Inhalt hat oder eine größere Öffnung und eine dickflüssigere Konsistenz bei Zahnpasta, damit mehr konsumiert wird, oder einfach wieder nur weniger Inhalt. Das ganze natürlich zu einem gleichbleibenden Preis, man will den Konsumenten ja nicht vertreiben. 😉

Es gibt natürlich noch mehr Gründe, die Einfluss auf die Inflation haben, und es gibt noch eine zweite Inflation. Umgangssprachlich redet man von „der Inflation“. Diese gibt es aber so nicht. Es gibt eine Inflationsrate, die sich, wie im Video oben beschrieben, aus einem Warenkorb von Produkten zusammensetzt. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, weil man sich auch ansehen muss, wie stark die Menge an Geld, die im Umlauf ist, im Vergleich zu unserem Bruttoinlandsprodukt, also unserer wirtschaftlichen Leistung in einem Jahr, ansteigt.

Warenkorb / Verbraucherpreisindex

Um die Verbraucherpreisinflation zu bestimmen, berechnet das Statistische Bundesamt jeden Monat den sogenannten Verbraucherpreisindex (VPI). Dazu werden die Preise von 300.000 Produkten und Dienstleistungen ermittelt, die dann zu einer gemeinsamen Kennzahl verrechnet werden.

Das sind nicht irgendwelche Preise, sondern die Preise für die Waren und Dienstleistungen, die eine durchschnittliche Familie in Deutschland konsumiert. All diese Waren und Dienstleistungen werden in einem virtuellen Warenkorb zusammengefasst und nur alle 5 Jahre angepasst, damit sie vergleichbar bleiben.

Es gibt nicht nur eine Inflation

Wenn man von “Inflation” spricht, sind meistens die steigenden Preise für unsere Konsumgüter wie Lebensmittel oder Heizkosten gemeint. Allerdings gibt es mehrere Arten von Inflation, weil dieses Wort in erster Linie ja nur die Eigenschaft des “Aufblähens” einer Menge beschreibt.

Die drei Arten der Inflation hängen alle voneinander ab. Immer wenn die Geldmenge steigt, dann steigen auch die anderen beiden. Denn eine höhere Geldmenge bedeutet automatisch auch höhere Preise für Konsumgüter und Sachwerte.

1. Geldmengeninflation

Mit der „Geldmengeninflation“ ist die Flut an neuem Geld gemeint, die von den Zentralbanken Jahr für Jahr in die Wirtschaft gespült werden. Spürbar wird sie durch die stetige Entwertung des Geldes. Je mehr Geld im Umlauf ist umso weniger Wert hat es. Die Freude am Gelddrucken merkt man als Privatperson vor allem daran, dass man recht einfach an günstige Kredite kommt.

2. Verbraucherpreisinflation

Die „Verbraucherpreisinflation“ beschreibt die steigenden Preise für Konsumgüter und entspricht somit unser umgangssprachlichen Inflation. Sie wird, wie oben im Video erklärt, anhand eines Warenkorbs mit den Konsumgütern unseres täglichen Gebrauchs berechnet. Man spürt sie vor allem dadurch, dass der Einkauf im Supermarkt oder eine Tankfüllung immer teurer werden.

3. Vermögenspreisinflation

Für uns als Investoren ist diese Art der Inflation die schönste. Denn die Preise für unsere Vermögenswerte steigen dadurch an. Das betrifft vor allem die Preise für Sachwerte und andere Dinge, wie Unternehmensbeteiligungen. Wir könnten sie jetzt teurer verkaufen. Allerdings ist davon abzuraten, weil sie uns ja einen gewissen Inflationsschutz bieten. Denn wenn die Geldmenge steigt, steigen fast automatisch auch die Preise für unsere Vermögenswerte.

Die wahre Inflation

Neben der offiziellen Inflation der EZB gibt es auch noch eine sogenannte „Wahre Inflation„. Diese wird nicht anhand eines Warenkorbs mit ausgewählten Konsumgütern berechnet, sondern indem die gesamte Produktionsleistung von Deutschland in einem Jahr von der gesamten im Umlauf befindlichen Geldmenge abgezogen wird. Im Gegensatz zur allgemein bekannten Inflation liegt diese im Schnitt bei ca. 4-5%.

Geht man jetzt von diesem Wert aus, so braucht man also eine Anlageform, die den ersparten Geldbetrag um mindestens 5% jedes Jahr vergrößert, um den Wertverlust auszugleichen. Damit fallen 99% der Bankprodukte schon mal raus. Selbst ein Festgeldkonto oder ein Bausparvertrag bringen da überhaupt nichts. Sinnvoller ist es da, in Sachwerte, wie Aktien und Immobilien zu investieren. Beiden sagt man nach, dass sie vor der Inflation schützen.

Wir Deutschen sind im Vergleich zu anderen Ländern aber tatsächlich eher zurückhaltend, was solche Investitionen angeht. In den USA gehören Aktien zum Beispiel traditionell zur Altersvorsorge dazu. Dort ist es ganz normal, dass man entweder privat oder über den Arbeitgeber in einen Pensionsfonds spart, der zum größten Teil in Aktien investiert. Bei uns in Deutschland verlassen sich immer noch viele Menschen auf die staatliche Rente. Frei nach dem Prinzip, was einmal funktioniert hat, wird auch weiterhin funktionieren. Dass dem nicht so ist, habe ich im Beitrag zur Rentenlücke genauer erklärt.

Anlageklassen der Deutschen

Nachfolgend siehst du einen Vergleich der Anlageklassen, die wir Deutschen in der Regel wählen. Dabei fällt auf, dass die meisten davon eher keine lohnende Rendite abwerfen. Weder Sparbuch, Girokonto, Tagesgeldkonto noch der gute alte Bausparvertrag bringen dich wirklich weiter. Natürlich gibt es einige Befürworter, von Bausparverträgen, aber ich werde in einem anderen Beitrag nochmal genauer darauf eingehen, warum das kein gutes Produkt für eine sinnvolle Geldanlage ist.

Inflation
Genutzte Geldanlagen der Deutschen

Wenn du dein Geld vor der Inflation schützen und es sogar mehr werden lassen willst, bleibt dir nur eine risikoreichere Anlageklasse. Wir Deutschen haben zwar nach dem Telekom-Debakel Angst vor Aktien, aber es ist an der Zeit, dies nun endlich wieder abzulegen und der Wirtschaft wieder mehr zu vertrauen. Selbst derjenige, der sich schon einmal die Hände an Aktien verbrannt hat, sollte es weiter versuchen. Wenn wir laufen lernen, hören wir schließlich auch nicht nach dem ersten Hinfallen wieder auf. Wichtig ist nur, dass man sich nicht auf einzelne Aktien verlässt, sondern das Risiko über mehrere Unternehmen, Branchen, Länder und Währungen streut. Das geht ganz einfach mit ETFs. Was das genau ist, erkläre ich dir in einem anderen Beitrag.

Falls du mal ausrechnen möchtest, was dein Geld zu einem beliebigen Zeitpunkt in der Zukunft noch wert ist, kannst du dafür diesen Inflationsrechner verwenden.

Die Inflation hat auch Vorteile

Neben all den Nachteilen der Inflation gibt es auch eine gute Inflation. Das ist nämlich immer dann der Fall, wenn du einen Kredit aufnimmst und dieses Jahr für Jahr weniger wert ist. Ja, du hast richtig gelesen. Da das Geld jährlich an Wert verliert, verringert sich auch der Wert eines Kredits regelmäßig. Ein Kredit über 10.000 €, den du heute aufnimmst, hat in 10 Jahren nur noch einen Wert von 8.200 €, obwohl du keinen Cent zurückgezahlt hast. Das können wir für uns nutzen, denn du kannst den Kredit schneller abzahlen, als du Zeit dafür benötigst, die gleiche Summe anzusparen. Denn beim ansparen arbeitet die Inflation gegen dich. In der nachfolgenden Tabelle siehst du, wie sich der Wert der beiden Möglichkeiten im Vergleich zur aktuellen Kaufkraft über die Jahre entwickeln, wenn du jährlich 1.000 € sparst.

JahrKredit-Wert *Spar-Wert *
202010.000,001.000,00
20218.800,001.980,00
20227.624,002.940,40
20236.471,523.881,59
20245.342,094.803,96
20254.235,255.707,88
20263.150,546.593,72
20272.087,537.461,85
20281.045,788.312,61
202924,879.146,36
20309.963,43
203110.000,00
* Nach angenommener Inflation in Höhe von 2 % verglichen mit der heutigen Kaufkraft

Wie du siehst, braucht man viel länger, um den gleichen Betrag anzusparen, als ihn heute zu leihen und direkt zur Verfügung zu haben und ihn dann über die Jahre hinweg abzuzahlen. Natürlich muss man in dieser Rechnung auch immer die Zinsen bedenken, die eine Bank für die Bereitstellung des Kredits haben möchte. Aber ich denke, das Prinzip wird mit dem Beispiel klar. Besonders spannend ist das Prinzip, wenn du eine Wohnung kaufst, die du vermietest. Denn dann zahlt dein Mieter durch die Kaltmiete den Kredit ab und die Inflation sorgt neben der Kreditentwertung dafür, dass die Wohnung über die Jahre an Wert gewinnt. Denn wenn alles teurer wird, dann gilt das in der Regel auch für Immobilien.